Entwicklung im politischen UmfeldLogin


Dem Wunsch ihres verstorbenen Onkels folgend stiftete die Lehrerin Gertrud Teigelkemper den ihr vererbten Hof in der Bauerschaft Tilbeck einem sozialen Zweck. Nach der staatlichen Genehmigung entwickelte und leitete sie die “private Erziehungsanstalt für epileptische Kinder” zunächst selbst. Um “die Einrichtung als römisch-katholische Einrichtung für alle Zeiten zu sichern”, übertrug Gertrud Teigelkemper sie 1891 dem Bischöflichen Stuhl von Münster. 1899 konnten die Franziskanerinnen von St. Mauritz für die Tätigkeit im Stift gewonnen werden. Sowohl die Trägerschaft des Bischöflichen Stuhls als auch die tatkräftige Unterstützung der Ordensschwestern ermöglichten in den Jahren von 1900 bis1930 die Weiterentwicklung und den Ausbau der Einrichtung. Das Stift Maria Hilf in Tilbeck wurde zur caritativen Einrichtung für an Epilepsie erkrankte Frauen, Mädchen und Kinder, psychisch kranke und psychisch behinderte Frauen sowie für Frauen und Kinder mit geistigen Behinderungen.

Von 1933 bis 1945 wurde das Stift und damit die Sicherstellung der allgemeinen Versorgung durch Euthanasiemaßnahmen, Bombenangriffe und die Einquartierung von Münsteraner Krankenhausabteilungen stark bedroht. (“Tilbeck in der Zeit des Nationalsozialismus”)

Mit dem Erwerb des Status eines Krankenhauses für Psychiatrie und Neurologie im Jahre 1974 wurde ein wichtiger Schritt in Richtung Übernahme der allgemeinen Versorgung getan. 1975 war das Krankenhaus Maria Hilf mit 601 Betten im Krankenhausbedarfsplan eingetragen. Parallel nahm dann die Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) ihre Arbeit auf, um den zunehmenden Anforderungen im Bereich der beruflichen und sozialen Eingliederung der Menschen mit Behinderungen gerecht zu werden.

Von 1985 an wurde im Stift Tilbeck die konzeptionelle Neugestaltung in Form von Differenzierungen in der Betreuung kranker bzw. behinderter Menschen umgesetzt. Der Krankenhausbereich wurde in zwei Schritten 1993 und 1998 nach Dülmen verlagert.

Im Jahre 1998 wurde durch den Alleingesellschafter Bischöflicher Stuhl Münster die Stift Tilbeck GmbH gegründet. Diese übernahm danach die Betriebsführung der gesamten Einrichtungen und Dienste.

Ihre konsequente Fortsetzung findet die oben skizzierte Entwicklung mit der Einrichtung dezentraler Wohnangebote. Und so entstehen mit dem Ziel der Integration und Normalisierung des Lebens behinderter Menschen Jahr für Jahr neue, differenzierte Wohnmöglichkeiten. Im Jahr 2003 nutzen 475 Menschen die differenzierten Wohnformen. Die Anerkennung der persönlichen Kompetenz der Menschen mit Behinderung und die Einbeziehung ihres persönlichen und familiären Umfelds führte in diesen Jahren ergänzend zum Ausbau des Ambulant Betreuten Wohnens und des Familienunterstützenden Dienstes.

Die Zielsetzung, Menschen mit Behinderung konsequent Alternativen des Lebens und des Wohnens zu eröffnen, wurde mit dem Projekt "Stift Tilbeck 2015 - wir gestalten die Zukunft" in Angriff genommen. In Umsetzung dessen wurden sowohl Angebote des Ambulant Betreuten Wohnens aufgebaut, wie aber auch neue Wohnmöglichkeiten in stationären Versorgungsstrukturen geschaffen. Diese wurden vor allem in den Orten des regionalen Umfeldes (Nottuln, Havixbeck, Billerbeck, Senden und Münster) errichtet. Viele Menschen mit Behinderung, die zum Teil jahre- und jahrzehntelang im Stift Tilbeck gewohnt haben, sind in Folge der neuen Angebote umgezogen und haben in den Gemeinden neue Heimat gefunden. Daneben bleibt die Zielsetzung, auch den Menschen, die den Standort Stift Tilbeck als ihren Lebensmittelpunkt gewählt haben, adäquate Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten anzubieten. Daher wurde ein Prozess der Weiterentwicklung des Standortes Stift Tilbeck eingeleitet. Mit diesem werden die Chancen und Wege in den Blick genommen, wie in diesem Teil der Gemeinde Havixbeck Lebenssituationen geschaffen und weiter entwickelt werden können, die dem Leben in einem "ganz normalen Ort" entsprechen. Die Entwicklungsgeschichte des Ortes und die Lebensgeschichten der hiesigen Bürgerinnen und Bürger werden dabei aufgenommen und weiterentwickelt. Dabei wird die Priorität dem Wohnen gehören - denn darauf haben die ca. 400 Menschen, die hier ihren ersten Wohnsitz haben und zum Teil schon jahre- und jahrzehntelang hier leben, einen Anspruch. Die Herausforderung und der Reiz liegen darin, den Standort Stift Tilbeck als Ortsteil der Gemeinde Havixbeck zu erkennen, und herauszuarbeiten, was die Bürgerinnen und Bürger und diejenigen ca. 850 Menschen, die hier tagtäglich arbeiten, für die Weiterentwicklung der Gemeinde Havixbeck  tun und zukünftig tun können.

 


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